Archive | St.Michelais-Kirche

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Hafennews.de stellt Ihnen den Michel-Tuermer vor.

Posted on 15 April 2013 by Peter Sylent

Von Peter Sylent   

Hansestadt Hamburg.  „All Morgen ist ganz frisch und neu  (des Herren Gnad und große Treu; sie hat kein End den langen Tag, drauf jeder sich verlassen mag“.) (Choral, den der Turm-Blaeser derzeit blaest.)

Der Michel-Tuermer Horst Huhn (57), auch Turmtueter, ist ein Trompeter, der seit 1992 nunmehr 20 Jahre in der alten Hamburger Tradition des Amtes der Turmblaeser vom Turm der Hauptkirche St. Michaelis taeglich morgens und abends Choraele in alle vier Himmelsrichtungen spielt.

Urspruenglich fing er mit Trompete spielen im Gymnasium des Kaiser-Friedrich-Ufer an. Dort spielte er schon Solo-Trompete in der BigBand. Er erinnert sich noch, als er mit 5 Jahren eine Fanfare zum Geburtstag bekam, weckte es in ihm die musikalische Richtung, unbedingt Trompete spielen zu wollen, denn es sollte unbedingt ein Solo-Instrument sein.

„Es ist ein unglaubliches Gefuehl“ sagt er, frei und selbst entscheidend die jeweiligen Stuecke morgens selbst auszusuchen und zu spielen.

Seit 2005 hat er noch einen 2ten Job, denn er blaest taeglich um 9 Uhr vom Turm des Stoertebeker-Haus in Hamm in Richtung Michel.

Danach faehrt er zum Michel, wo er morgens um 10  und abends um 21 Uhr mit seiner Bach Trompete seine Choraele in alle vier Himmelsrichtungen blaest.

Seit die Menschen Tuerme bauen, wird auf ihnen geblasen. Die Tuermer sollten die Stadt ueberblicken, Feuer melden, vor Angreifern und anderen Gefahren warnen. Das Blasen des Chorals, wie es auf St. Michaelis gemacht wird, ist eine Erfindung der Protestanten: Auf diese Weise sollte die Predigt über die Daecher der Haeuser hinweg direkt zu den Menschen gelangen.

 

Die Tradition – lebendig bis heute

Heute begibt sich der Michel-Tuermer jeweils werktags um 10 Uhr und um 21 Uhr und sonntags einzig um 12 Uhr auf den 7. Boden des Turms, den sogenannten Tuermerboden, der 279 Stufen hoch liegt. Mit dem Fahrstuhl, fuer den eigens einen Schluesel hat, ist er in 19 Sekunden dem Herrgott naeher.

Waehrend der neue Michel-Fahrstuhl eingebaut wurde, musste er die ca. 300 Stufen taeglich zu Fuss gehen, naja: “Das haelt fit“ und lacht!

Er spielt jeweils eine Strophe aus einem geoeffneten Fenster, beginnend bei dem Ostfenster und dann weiter im Uhrzeigersinn: „zum Lobe Gottes, den Menschen zur Freude!“ so eine Tafel am Turmaufgang. Es wird taeglich ein anderer Choral gespielt, hauptsaechlich evangelische Kirchenlieder aus dem 16. und 17. Jahrhundert, abgestimmt mit dem Kirchenjahr.

Wenn der Wind guenstig steht, laedt dieser Gruss vom Michel in der geschaeftigen City zu einem Moment des Innehaltens und der Besinnung ein und auch die Anwohnerschaft rund um die St. Michaelis-Kirche erfreut sich am Fortbestand dieser jahrhundertealten Hamburger Tradition.

Dieser Brauch wurde waehrend der Reformation in Hamburg eingefuehrt und wird im Michel seit mehr als 300 Jahren praktiziert. Bis zur Aufhebung der Torsperre zum 1. Januar 1861 war der Trompeten-Choral das Zeichen für die Oeffnung beziehungsweise Schliessung der Stadttore. Und wenn er mal verhindert ist, springt sein 24 jaehriger Sohn ein, denn Musik liegt der Familie im Blut.

Video: [youtube GYqCNcUFQwQ]

© Fotos und Text: www.sylent-press.de / Peter Sylent / J.Schering. Alle Rechte vorbehalten.

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