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HafenNews Hamburg

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Hamburger Seuchenschutz macht Schule – Konzept für Großschadenslagen in Häfen entwickelt.

Jul 26, 2022

In Hamburg wurde ein Konzept für den Umgang mit vielen Erkrankten erarbeitet, das nun auch anderen Hafenstädten zur Verfügung steht.

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In einer Hafenstadt wie Hamburg mit globalen Handels- und Verkehrsbeziehungen ist jederzeit der Eintrag unbekannter Infektionen möglich. Bricht auf einem Schiff mit vielen Personen an Bord eine Infektionskrankheit aus, ist höchste Vorsicht und schnelles Handeln geboten. Zum Schutz der Bevölkerung müssen alle relevanten Behörden und Einsatzkräfte auf eine solche Situation vorbereitet sein, denn eine koordinierte Zusammenarbeit aller Einsatzkräfte und Beteiligten ist essentiell.

Das Hamburg Port Health Center (HPHC) hat vor diesem Hintergrund bereits 2019 zusammen mit der Universitätsmedizin Greifswald und dem hamburgischen Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin das wissenschaftliche Projekt ARMIHN (Adaptives Resilienz Management im Hafen) gestartet. In den vergangenen Jahren haben die Beteiligten Konzepte für Einsätze in Großschadenslagen mit vielen Erkrankten erarbeitet. Nun liegt ein Abschlussbericht vor.

Besonders innovativ ist hierbei ein neuartiger, digitaler Ansatz zur Vereinfachung der Triage von Betroffenen. Die Praxistauglichkeit des Konzepts wurde in mehreren Übungen getestet. Andere Städte haben nun die Möglichkeit, sowohl die Projektergebnisse also auch die Konzeptionen der Übungen zu nutzen und für den eigenen Hafen anzupassen.

Senatorin Dr. Melanie Leonhard: „Wenn es um den Gesundheitsschutz geht, stehen Europas Hafenstädte vor ähnlichen Herausforderungen. Deswegen ist es sinnvoll, dass wir in diesen Fragen voneinander lernen. Wir müssen auf Situationen vorbereitet sein, in denen wir angesichts globaler Handels- und Verkehrsströme mit möglicherweise schwer einschätzbaren Infektionskrankheiten an Bord von Schiffen konfrontiert sind. Diese Anforderung ist nicht neu, aber angesichts des Pandemiegeschehens der letzten Jahre von neuer Aktualität.“

Dr. Martin Dirksen-Fischer, Leiter des Hafenärztlichen Dienstes: „Wenn die Gefahr besteht, dass sich viele Menschen gleichzeitig mit einem gefährlichen Krankheitserreger infizieren, bedeutet das großen Stress für alle Beteiligten. Mit dem im Rahmen des Projektes entwickelten Konzept können sich Einsatzkräfte auf solche Situationen vorbereiten, bevor der Ernstfall eintritt. Für Hamburg haben wir mögliche Fälle gründlich durchdacht und alle relevanten Beteiligten einbezogen. Die Ergebnisse stellen wir anderen Hafenstädten als good practise zur Verfügung, sodass andere auf unsere Erfahrungen zurückgreifen können. “

Ziel des Projekts war es, die Handlungsfähigkeit zu verbessern, wenn es zu einem Massenanfall von Erkrankten im Hafen oder auf einem Schiff kommt. Im Fokus des Forschungsprojekts standen vor allem Schiffe mit vielen Menschen an Bord, wie zum Beispiel Kreuzfahrtschiffe. Passagiere und Besatzung können mit verschiedensten Erregern in Kontakt kommen und diese auf dem Schiff verbreiten. Außerdem stellen Kreuzfahrtschiffe ein mögliches Ziel für potenzielle terroristische Angriffe mit Biowaffen dar.

Im Ernstfall benötigen Rettungskräfte und Gesundheitsbehörden möglichst schnell Informationen, bei wie vielen und welchen Personen ein dringender Behandlungsbedarf besteht. Für die Erfassung der Lage vor Ort wurde im Rahmen von ARMIHN ein neues Verfahren entwickelt: Eine IT-Anwendung, die das medizinische Personal dabei unterstützt, über die weitere Behandlung der Erkrankten zu entscheiden. Der Algorithmus zur Triagierung erlaubt dabei eine elektronisch abrufbare Übersicht über Anzahl und Zustand der infektiösen Patientinnen und Patienten. Dadurch vereinfacht sich die Kommunikation aller Beteiligten und ermöglicht eine bessere Planung und Koordination vorhandener Einsatzkräfte und -materialien.

Der Abschlussbericht zum Projekt wurde im Juni 2022 beim Projektträger (VDI) eingereicht und wird zeitnah von der Bibliothek des BMBF und der Technischen Informationsbibliothek Hannover (TIB) veröffentlicht. Die entwickelten Notfallkonzepte, Trainingsunterlagen und Erfahrungsberichte zu den durchgeführten Übungen sind außerdem auf der Webseite des ARMIHN-Projekts einzusehen und werden dort auch nach Projektende zur weiteren Verwendung angeboten. Die gesammelten Erfahrungen und das gewonnene Fachwissen können im Rahmen von Beratungsleistungen von anderen Häfen (national und international) in Anspruch genommen werden.

Über das Projekt ARMIHN

Das Projekt ARMIHN lief von 2019 – 2021. Es wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Neben dem HPHC des Instituts für Hygiene und Umwelt (HU) waren auch das Hamburger Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM) des Universitätsklinikum Eppendorf sowie die Klinik für Unfall-, Wiederherstellungschirurgie und Rehabilitative Medizin der Universitätsmedizin Greifswald als Verbundpartner beteiligt. Die Feuerwehr Hamburg hat das Projekt als assoziierter Partner begleitet. Die technische Übungsplattform wurde von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) – Fakultät Life Sciences in Hamburg-Bergedorf entwickelt. Die Projektpartner brachten unterschiedliche Schwerpunkte ein – das Praxiswissen des Hafenärztlichen Dienstes aus Hamburg wurde ergänzt von der wissenschaftlichen Kompetenz in Bezug auf den maritimen Schwerpunkt seitens des ZfAM und bei der Bewältigung von Großschadensereignissen seitens der Klinik für Unfallchirurgie der Universitätsmedizin Greifswald.

In Laufe des Projekts wurde nicht nur die Zusammenarbeit betrachtet und optimiert. Es wurde auch ein Grundsatzdokument mit den wesentlichen, handlungsrelevanten Rechtsgrundlagen zusammengestellt, ein Sicherheitskonzept verfasst und eine bereits bestehende Softwarelösung zur Erfassung von Patienten angepasst. Außerdem wurden die Notfallkonzepte und Gefährdungsanalysen kritisch bewertet sowie in mehreren Übungen auf ihre Praxistauglichkeit überprüft. In Kooperation der Hamburger und Greifswalder Institutionen entstehen darüber hinaus weitere internationale Publikationen zu den Erkenntnissen.

An der Übung waren unterschiedliche Akteure beteiligt, die im Ernstfall im Hafen zusammenarbeiten, darunter Hafenärztlicher Dienst, Feuerwehr und Rettungsdienst, Sozial- und Gesundheitsbehörden, Hamburg Port Authority, das Havariekommando, externe Firmen und Sicherheitspersonal.

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