• So. Sep 25th, 2022

HafenNews Hamburg

Aktuelles aus dem Hamburger Hafen und mehr…

Krameramtsstuben, eine Zeitreise in das 17.Jahrhundert unweit vom Hafen

Apr 22, 2022

Die Krameramtsstuben sind Hamburgs letzte erhaltene Hofbebauung aus dem 17. Jahrhundert.

ImageNo.900_01_08_04_1679Q

Sie sind ein Beispiel damaliger Altersversorgung für Witwen. Seit 1933 stehen die Fachwerkhäuser unter Denkmalschutz.

Eine Zeitreise in das 17. Jahrhundert.

Im Jahr 1375 schlossen sich die Kleinhändler, die ihren festen Stand oder Laden in der Stadt besaßen und vornehmlich mit Gewürzen, Seidenstoffen und Eisenwaren handelten, im Krameramt zusammen. 300 Jahre später ließ die wohlhabende Berufsorganisation Freiwohnungen für jeweils 20 Witwen ihrer verstorbenen Amtsbrüder errichten. Um einen neuen Krämer zuzulassen, lag es im Interesse der Zunft, die Witwen aus den Ladengeschäften in Altenwohnungen umzusiedeln. Diese Einrichtungen entsprachen einer für diese Zeit typischen Form der selbst organisierten Altenversorgung.

ImageNo.900_01_08_04_1679

Eine der alten Witwenwohnungen ist heute noch in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten. Diese wurde mit Mobiliar aus Hamburger Krämerhaushalten Mitte des 19. Jahrhunderts ausgestattet. Die beengten Wohn- und Lebensbedingungen vor über 150 Jahren können so heute noch nachempfunden werden. Trotz der technischen wie räumlichen Beschränkungen lebten hier jedoch keine armen Menschen, sondern Angehörige einer Mittelschicht, die zu der Zeit einen großen Anteil an der großstädtischen Bevölkerung hatte.

Die 1676 gebauten Reihenhäuser haben alle den gleichen Zuschnitt: Je zwei Wohnungen stehen spiegelgleich nebeneinander. Der Wohnbereich für eine Witwe verteilte sich auf zwei Ebenen. Im Erdgeschoss befanden sich neben dem Eingangsflur mit schmaler Treppe nach oben ein „kleines Wohnzimmer“ und eine enge Küche, die nur durch das zum Zimmer führende Innenfenster Tageslicht erhielt. Das erste Obergeschoss bestand aus der „guten Stube“ mit einer, von einem Alkoven umschlossenen, Bettstatt. Eine weitere Treppe führt ins Dachgeschoss, das zum Hof hin eine befensterte Luke hat, durch die der Brennstoff wie Holz und Torf befördert wurde. Eine Gemeinschaftstoilette befand sich am Ende des Hofes.

Bis zur Installation von Wasserleitungen Ende des 19. Jahrhunderts wurden zwei Wasserpumpen genutzt. Die beiden Häuserzeilen mit dem schmalen Gang dienten bis zur Restaurierung im Jahre 1968 als Altenwohnungen.
Adresse:Krayenkamp 10, 20459 Hamburg